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Ausgabe 21
In dieser Ausgabe: Kevin Cahill im Youtube-Fund der Woche, Album der Woche von Eugenio Della Chiara, Noten für die Morgenroutine mit Leon Albert, Know-How mit Peter Graneis und die Feel-good-Melodie der Woche mit Parcels
Hey!
Wir hoffen, ihr seid gut gelaunt und bereit für etwas gitarristische Inspiration. Wir selbst haben eine sehr inspirierende Woche hinter uns. Festzuhalten bleibt: Das Inspirierendste sind immer wieder Live-Konzerte. Ob als Zuhörerin oder als Künstlerin. Das sind magische Momente, die anders kaum erzeugt werden können.
Magisch wird es auch in unserem Video der Woche mit Equinox von Toru Takemitsu, ausdrucksstark beim Album der Woche und während wir den Komponisten Leon Albert wieder nach der Routine der Woche befragen, befeuert uns Peter Graneis im Know-how-Interview mit sehr hilfreichen Antworten zum Thema Geschwindigkeit.
Schnallt euch an, jetzt geht’s los!
Viel Freude beim Lesen.
Stefan & Willi
YOUTUBE-FUND DER WOCHE
mit Kevin Cahill
Raumgestaltung ist das Stichwort unseres YouTube-Funds der Woche. Gemeint hier im dreifachen Sinne: kompositorisch, videografisch und spielerisch. Für uns ist dieses Video ein Maßstab in der ästhetischen Umsetzung der Komposition von Interpret und Videografen. Interpretatorisch erfordert Toru Takemitsu‘s Equinox eine präzise Kontrolle von Phrasierung, Klangfarbe und Pausen, um die immanente meditative Tiefe des Stücks auszudrücken. Weil das hier so wunderbar umgesetzt wurde, bleibt uns zu Kevin Cahill‘s Interpretation nur zu sagen: Das ist eine wahre klangpoetische Umarmung!
ALBUM DER WOCHE
mit Eugenio Della Chiara

Wir haben mal wieder einen Schatz entdeckt. Ein Porträt zweier spanischer Komponisten des 20. Jahrhunderts. Gaspar Cassadó, eher bekannt durch seine Karriere als Cellist (kompositorisch geprägt von Maurice Ravel und Manuel de Falla), und Federico Mompou, der stilistisch mit Erik Satie und Claude Debussy in Verbindung gebracht wird.
Sehr bedacht und nuancenreich interpretiert von Eugenio Della Chiara, der sich laut eigener Aussage intensiv mit dem Sound und der Ausgestaltung der Stücke auseinandergesetzt hat. Er selbst schreibt zu dem Album:
“Wenn ich an dieses Album denke, fällt mir als Erstes die umfangreiche Klangforschung ein, die ich beim Studium der Werke von Mompou und Cassadó betrieben habe. Diese komplexe Forschung hat mich dazu gebracht, meine Vorstellung von Klang in zwei verschiedene Richtungen zu lenken, um die Persönlichkeiten der Autoren auszudrücken. So wird man einen Cassadó hören, der sich durch überschwängliche, gelegentlich übertriebene Schattierungen auszeichnet – fast ein musikalisches Äquivalent zu Gaudìs Architektur und dem katalanischen Modernismus. Im Gegensatz dazu findet man einen essentielleren Mompou, bei dem die Gelassenheit der musikalischen Geste die Wahl des Klangs bestimmt: Um die architektonische Analogie fortzusetzen, könnte man an eine romanische Kathedrale denken, die von einem impressionistischen Maler porträtiert wurde.”
Uns hat zum Beispiel “2 Cantos populares finlandeses” von Cassadó gezeigt, worauf Eugenio hinaus möchte – und ihm ist das die ganze Platte durch äußerst gut gelungen! Herzlichen Glückwunsch für diese tolle, detailreiche Arbeit!
Für alle Arrangierfans da draußen: “Cançó i dansa No. 10” – original für Klavier komponiert – hat Federico Mompou übrigens selbst für Gitarre eingerichtet.
Lasst euch abholen und taucht ein in diese ausdrucksstarke Musik!
MORGEN-ROUTINE
Auf einen Kaffee mit Leon Albert

Hi Leon, was ist die Routine für diese Woche?
Die Routine für diese Woche ist gleichsam eine Art Lebensmotto, an das ich mich regelmäßig versuche zu erinnern: In der Ruhe liegt die Kraft. Das Nocturne bietet Gelegenheit, sich darin zu üben. Ich wünsche euch wohltuende Entschleunigung!
KNOW-HOW
mit Peter Graneis

© 2021 Reiner Pfisterer
Peter Graneis ist ein Gitarrist, der für seine technisch anspruchsvollen und durchdachten Programme bekannt ist. Er hat in Stuttgart, Barcelona und Den Haag studiert. Als Eurostrings-Artist tourte er durch Europa, gibt regelmäßig Masterclasses und arbeitet als Dozent bei Tonebase. Da wir beim Hören seiner LPs von der Klarheit und Präzision seines Spiels mehr als begeistert waren, haben wir die Gelegenheit genutzt, ihn zum Thema Geschwindigkeit, Schnelligkeit und Virtuosität zu befragen.
Hi Peter, ganz generell: Was sind die wichtigsten Aspekte beim Thema „Geschwindigkeit“ für dich?
Ich glaube, Geschwindigkeit ist gar nicht so wichtig. Zumindest ist sie nicht zwingend notwendig, um ein tolles Konzert zu spielen. Leider gibt es viele große Namen in der Gitarre, die darauf bestehen, dass es super wichtig ist und auch nur Apoyando, Wechselschlag, erlaubt ist. Seit ich mich davon abgewandt habe, weil es gar nicht zu meinem Spielstil und meinen anatomischen Gegebenheiten passt, fühle ich mich wesentlich wohler auf dem Instrument. Ich glaube, der wichtigste Aspekt beim schnellen Spielen ist, dass man einen eigenen Weg einschlägt und sich nicht verrückt macht, wie schnell die anderen spielen. Ist nämlich meistens nicht mehr als ein Partytrick.
Gibt es Übungen, die du fürs tägliche Üben empfehlen kannst?
Es gibt ein paar Themenfelder, die für mich bei jeder Übesession abgearbeitet werden müssen: Reflexe, Koordination, Tremolo, Geschwindigkeit, Ausdauer, Sound. Die Übungen selbst variieren aber, weil ich denke, dass man sich sonst zu sehr auf einzelne Übungen versteift, anstatt das Thema zu behandeln.
Welche Stücke haben dir hinsichtlich ihrer Virtuosität am meisten abverlangt?
Es gibt ein paar Stücke, die ich auf keine Bühne gebracht habe, weil ich nicht in der Lage war, sie so zu spielen, wie ich sie mir vorstelle. Das lag zum Teil auch an Geschwindigkeit: Waltons Bagatelle No. 5 oder auch Rodrigos Toccata.
Wie sieht ein idealtypischer Übetag für dich aus?
Mein idealer Übetag hat 5 Stunden. Davon wärme ich mich 30‘ auf und verwende 30‘ für Technik. Nach jeder Stunde gibt es eine kurze Pause zum Dehnen. 2 Stunden widme ich mich dann altem Repertoire, die nächsten 2 Stunden arbeite ich an neuen Stücken. Wenn ich 5 Stunden überschreite, riskiere ich erfahrungsgemäß Verletzungen. Das Wichtigste ist hier die Kontinuität zwischen den Übetagen, denn nur wenn mein Üben sich auf etwas bereits Gelerntes bezieht, wird eine Verbesserung wahrnehmbar.
Wenn du einen Satz auf ein Plakat drucken lassen könntest, das in riesiger Auflage bei allen (klassischen) Musik-Festivals der Welt hängen würde. Welcher wäre das?
Handy weg beim Üben!
Peters Tonebase-Seite: https://www.tonebase.co/guitar-artist-biographies/petergraneis#biography
…und Peter auf Instagram: https://www.instagram.com/pipiparade/
FEEL-GOOD-MELODIE DER WOCHE
mit Parcels
Eine beschwingte und positive Melodie! Da hat man gleich Lust, morgens aus dem Bett zu springen. Oder mitten am Tag mal in den Himmel schauen. Stress? Bad News? Kurz die Kopfhörer auf, die Haare in den Wind und aufgesprungen auf den Zug der guten Laune!
Unsere Feel-good-Melodie der Woche!
OUTRO
Wir hoffen, ihr habt die Lektüre genießen können. Uns war's wieder eine große Freude, so viel tolle Musik zu hören!
Feedback und Anregungen gerne wie immer als Antwort auf diese Mail!
Wir hören und lesen uns!
Stefan & Willi
New Classical Guitar ist ein Newsletter von Willi Leinen und Stefan Degel von TMBM. Unsere Musik und weitere Infos zu unserem Werdegang findet ihr unter t-m-b-m.com
Auf Spotify kuratieren wir eine Playlist mit unseren Lieblingsstücken. Ihr könnt unserer New Classical Guitar Playlist unter https://open.spotify.com/playlist/3ZwxJRAsW9Zs2JiS2eLy6a?si=9b2a737f01c043a4 folgen und uns gern neue Empfehlungen schicken.