Ausgabe 38

In dieser Ausgabe: Marcin Dylla im Youtube-Fund der Woche, Album der Woche von Nina Golubović, Noten für die Morgenroutine mit Leon Albert, Know-How mit Johannes Erkes & Thomas Jahn vom Gitarrenfestival Saitensprünge und die Feel-good-Melodie der Woche mit The Favors

Hey!

Willkommen zur achtunddreißigsten Ausgabe des Newsletters und der ersten im Jahr zweitausend sechsundzwanzig. Wir hoffen, ihr hattet alle eine gute Zeit über den Januar. Das Jahr nimmt langsam wieder Fahrt auf. Und wir? Wir sind zurück aus der Winterpause und sind auch dieses Jahr wieder durchgängig auf der Suche nach Inspirierendem aus der Gitarrenwelt und zweiwöchentlich bei euch im Posteingang.

Zum Einstieg soll’s herzerwärmend, poetisch und magisch sein. Ersteres trifft auf unser Video der Woche mit Marcin Dylla zu, Zweiteres auf unser Album der Woche von Nina Gulobovic und Letzteres auf alle Konzerte, die ihr dieses Jahr spielt oder besucht.

Um Magie geht’s aber auch beim (Doppel-)Interview der Woche. Da drehen wir heute zum ersten Mal die Blickrichtung und haben sehr spannende Antworten und Insights zweier Verantwortlicher des Bad Aiblinger Gitarrenfestivals in petto.

Bewährtes gibt es in der Notenkategorie. Good News: Wir haben mit Leon Albert verlängern können und das macht durchaus Sinn, denn wie kein anderer versteht auch er es, thematisch und technisch jederzeit die Blickrichtung zu wechseln, uns alle auch dieses Jahr mit exklusiven Etüden zu versorgen und unsere Frage “Was ist die Routine diese Woche?” mal mit Ironie und mal mit Tiefgang zu beantworten.

Viel Spaß beim Lesen,
Stefan und Willi

YOUTUBE-FUND DER WOCHE
mit Marcin Dylla

Auf der Suche nach etwas Herzerwärmenden zur kalten Jahreszeit. Auf der Suche nach einem Sound fürs Gemüt zum neuen Jahr. Auf der Suche nach musikalischer Schönheit zur Inspiration. Wir sind fündig geworden und ohne viel Umwege bei Musik von Francisco Tarrega gelandet. Die vier Mazurkas Mazurka en Sol, Marietta, Adelita und Sueño sollten vielen bekannt sein. Aber: Das Schöne ist ja, dass man in der interpretierenden Musik immer wieder andere Herangehensweisen findet, und dann wird man im besten Fall ab und an sagen: Wow, so hab ich das noch nicht gehört. Hier habt ihr also alle vier Mazurkas in einem Video.

Wir finden, dass unabhängig von Gesichtspunkten wie Phrasierung, Sound, you name it, die Art und Weise, wie die Stücke hier atmen, so phänomenal einnehmend ist, dass die anderen Aspekte einfach als gegeben akzeptiert werden. Spielt wie immer natürlich alles zusammen. Herzerwärmend? Was fürs Gemüt? Musikalische Schönheit? Check. Check. Check.

Ach so: Über welchen Interpreten schreiben wir hier? 
Marcin Dylla. 
Noch Fragen? Nein?
Unbedingt anschauen!

ALBUM DER WOCHE
mit Nina Golubović

Was haltet ihr von der Vorstellung, zusammen mit einem Esel durch Andalusien zu ziehen? Einsame, hügelige Landstriche, vereinzelt Bauernhöfe, Ursprünglichkeit. Seele baumeln lassen und hoffen, dass die Begleitung nicht ihrem Ruf nacheilt, stur zu sein.

Wir unterstellen der jungen Gitarristin Nina Golubović mal vorsichtig, dass sie sich mit dieser Frage auseinandergesetzt hat. Sie widmet sich in ihrer ersten Veröffentlichung nämlich einem Klassiker der spanischen Literatur namens Platero y yo (Platero und ich). Der Autor Juan Ramón Jiménez (1881–1958) unternimmt darin eine poetische Reise mit dem Esel Platero, die sich um eine Utopie des harmonischen Zusammenlebens dreht. Basierend auf dieser Erzählung (entstanden zwischen 1907–1916) komponierte der spanische Komponist Eduardo Sainz de la Maza die gleichnamige Suite Platero y yo.

Ninas Interpretation dieser Geschichte hat richtig was mit uns gemacht. Sie erzählt auf eine unmissverständliche, gleichwohl unaufdringliche Art und Weise. Klar im Ton, warm und cosy aufgenommen, intim und doch oder gerade dadurch überzeugend.

Zum Einstimmen auf die Suite öffnet Nina ihr Album mit je 3 Stücken aus Diez canciones populares catalanas von Miguel Llobet und den Bardenklängen von J.K. Mertz.

Gute Reise!

MORGEN-ROUTINE
Auf einen Kaffee mit Leon Albert

Hi Leon, was ist die Routine für diese Woche?

Offenheit!

INTERVIEW
Wann wird ein Festivalabend magisch?

©AIB-KUR Bad Aibling

Mit Johannes Erkes & Thomas Jahn vom Gitarrenfestival Saitensprünge Bad Aibling 
In den ersten 37 Ausgaben waren wir ziemlich nah dran an dem, was Gitarrist*innen innen direkt betrifft: Technik und Klang, Tremolo und Übestrategien, Aufnahme und Mastering, Online-Unterricht, Wettbewerbe und Jugendarbeit, DIY-Touren und Selbstorganisation. Dazu kam auch die Frage, wie man junge Musiker*innen heute ausbildet und was sich im Unterricht und an Hochschulen gerade verändert. Viele Perspektiven, oft sehr hands-on. Nun drehen wir die Blickrichtung mal um.

Denn irgendwo muss all das auch zusammenkommen, sichtbar werden, stattfinden. Auf Bühnen, in Sälen, in einem Programm, das Leute anzieht und trägt. Dafür braucht es Menschen, die kuratieren, rechnen, planen, verwerfen, wieder neu bauen und am Ende dafür sorgen, dass aus Ideen Konzertabende werden. Beim Saitensprünge-Festival sind das Johannes Erkes als künstlerischer Leiter und Thomas Jahn als Veranstalter.
Wir wollten wissen, womit sie anfangen, wenn ein neues Programm entsteht, wie sie Mischung und Wiedererkennung hinkriegen und woran man merkt, dass Publikum und Musik an einem Abend wirklich zusammenkommen. Außerdem geht es darum, was bei ihnen am besten funktioniert hat, um neues und junges Publikum neugierig zu machen, und welche Ideen sie für die nächsten Jahre beschäftigen. Am Ende gibt es wie immer unsere Plakatfrage.

Hi! Wenn ihr ein Festivalprogramm kuratiert: Was steht bei euch am Anfang, bevor ihr an konkrete Künstler*innen denkt?

Johannes Erkes, künstlerischer Leiter: Die Qualität der Künstler*innen ist oberste Priorität. Danach kommt es auf die Mischung an. Die Saitensprünge sind ein buntes Festival, wir wollen viele verschiedene Genres bedienen, unser Publikum fesseln und unterhalten.
Thomas Jahn, Veranstalter: Dazu braucht es auch immer einen Blick zurück, d. h. wollen wir Künstler*innen wieder einladen, die schon einmal bei uns gastiert haben, und wie passen sie in unseren “roten Faden” für das Festival.

Woran merkt ihr, dass ein Abend wirklich magisch ist? Was ist für euch ein gutes Zeichen, dass Publikum und Musik gerade wirklich zusammenkommen?

Johannes: Man spürt es im Saal, die Stille, die Spannung, der Applaus.
Thomas: Ich erinnere mich an das erste Konzert von Brother Dege. Gegen Ende des Konzerts saß niemand mehr auf den Stühlen. Es war eine unglaubliche Dynamik zwischen den Künstler*innen auf der Bühne und dem Publikum im Saal – eine neue Erfahrung für uns als Veranstalter und auch für das Publikum.

Wenn ihr an jüngeres oder neues Publikum denkt: Was hat bei euch am besten funktioniert, damit auch Menschen Lust bekommen, die sonst nicht automatisch bei klassischer Gitarrenmusik landen?

Johannes: Wir haben immer ein spezielles Konzert für die ganz jungen Zuhörer*innen im Programm. Damit motivieren wir unser Publikum von Morgen.
Thomas: Eine großartige Chance ist auch “Guitarrissimo – die lange Nacht der Gitarren”. 4 oder 5 Musiker*innen, Solist*innen oder Gruppen aus unterschiedlichen Genres spielen jeweils ein „kurzes“ und ein „langes“ Set. So kommen wir in der Summe auf etwa 4 Stunden Musik. Enorm abwechslungsreich, kurzweilig und für Zuschauer*innen, die das Instrument und die Vielfalt der Musik erfahren wollen, perfekt!

Was macht Gitarrenfestivals für euch zukunftsfähig? Gibt es etwas, das ihr in den nächsten Jahren unbedingt ausprobieren oder stärker ausbauen wollt?

Johannes: Wir brauchen auch die ganz großen Namen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies hat Auswirkungen auf die politische Unterstützung, die Sponsor*innen und natürlich auch auf den Kartenverkauf.
Thomas: Wir haben 2025 das 25-jährige Bestehen des Festivals feiern dürfen. Wir wollen den eingeschlagenen Weg weitergehen, d. h. eine hohe Qualität der Musiker*innen und eine spannende Breite des Programms präsentieren. Dabei müssen wir immer die Balance zwischen Attraktivität und Wirtschaftlichkeit halten. Wenn wir das schaffen, dann feiern wir auch das 50. Festival.

Wenn ihr einen Satz auf ein Plakat drucken lassen könntest, das in riesiger Auflage bei allen (klassischen) Musik-Festivals der Welt hängen würde. Welcher wäre das?

Johannes, Thomas: Close your eyes and listen…

Mehr zum Gitarrenfestival Saitensprünge findet ihr hier:
https://www.saitenspruenge.com/ 
https://www.bad-aibling.de/

FEEL-GOOD-MELODIE DER WOCHE
mit The Favors

Ob zwischen Probe und Unterrichten, nach dem Üben, vor dem Konzert oder einfach zwischendurch: Kopfhörer auf, kurz raus aus dem Rauschen, gut fühlen.

Unsere Feel-good-Melodie der Woche!

OUTRO

Vielen Dank fürs Lesen! Anregungen und Anmerkungen gerne direkt als Antwort auf diese Ausgabe. In der nächsten Ausgabe – so viel sei verraten – wird es einen spannenden Bericht zum Thema Gitarrenbau geben.

Neue Musikentdeckungen – auch von Artists, über die wir in der heutigen Ausgabe geschrieben haben – wie immer in unserer Spotify-Playlist zum Newsletter, die wir weiter unten verlinkt haben.

Seid gut zueinander.

Wir hören und lesen uns!

Stefan & Willi

supported by

New Classical Guitar ist ein Newsletter von Willi Leinen und Stefan Degel von TMBM. Unsere Musik und weitere Infos zu unserem Werdegang findet ihr unter t-m-b-m.com

Auf Spotify kuratieren wir eine Playlist mit unseren Lieblingsstücken. Ihr könnt unserer New Classical Guitar Playlist unter https://open.spotify.com/playlist/3ZwxJRAsW9Zs2JiS2eLy6a?si=9b2a737f01c043a4 folgen und uns gern neue Empfehlungen schicken.