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Ausgabe 40
In dieser Ausgabe: TMBM im Youtube-Fund der Woche, Besuch bei Duke Guitars, Album der Woche von Raphaël Feuillâtre, Noten für die Morgenroutine mit Leon Albert, die Frage 5 und die Feel-good-Melodie der Woche mit MGT
Hey!
Wir hoffen auf den Frühling und genießen den Berliner Schnee. Alles ein wenig anders dieses Jahr und auch bei uns ist alles ein wenig anders in der heutigen 40. Ausgabe dieses Newsletter. Zum einen haben wir zum runden Jubiläum wieder alle Antworten zur Poster-Frage der letzten Ausgaben parat. Zum anderen möchten wir uns bei Duke Guitars bedanken, dass sie es durch ihre Unterstützung möglich machen, den Newsletter weiter für alle kostenfrei zu halten. Es ist schön, Dinge empfehlen zu können, die wir selbst gut finden. Deswegen haben wir auch einen kleinen Bericht von unserem Besuch bei Duke in Tübingen in die heutige Ausgabe gepackt. Außerdem kommt das Video der Woche diesmal von uns! Es sei uns zum 40. Jubiläum nachgesehen.
Ansonsten bleibt alles beim Alten. Und wenn ihr euch auf eine Sache verlassen könnt: Auch zukünftig kommt alle zwei Wochen eine Ausgabe in euren digitalen Briefkasten und auch zukünftig bleibt das natürlich kostenfrei. Da bleibt uns nur, uns bei euch zu bedanken – fürs Lesen, Empfehlen, Aufmerksam-machen und für den großen Zuspruch und die stetig wachsende Community!
Viel Spaß beim Lesen,
Stefan und Willi
YOUTUBE-FUND DER WOCHE
mit TMBM
Zugegeben, ein Fund ist es diesmal nicht wirklich, weil man ja nichts finden muss, was man selbst gemacht hat. Wobei: Gefunden haben wir auf jeden Fall künstlerisch neue Ideen und den Enthusiasmus, Musik für ein neues Album zu schreiben. Also ja: Es wird dieses Jahr noch eine neue Platte geben von uns und die wird konzeptioneller als die erste. Mehr wird nicht gespoilert, außer, dass das Stück im Video dabei sein wird. Es heißt “The Painting”. Wir hoffen, euch gefällt’s, und freuen uns über Feedback. Die Arbeit an einem neuen Album ist stets ein Aufbruch, ein Wagnis und eine Reise ins Unbekannte. Und auf diese Reise haben wir uns soeben ein weiteres Mal begeben.
BESUCH BEI
Duke Guitars

Gitarrenbauer Tico an seinem Arbeitsplatz bei Duke Guitars in Tübingen…
Am 5.12. waren wir für eine Videosession (siehe oben) bei Duke Guitars in Tübingen, Süddeutschland. Der Teil aber, der am stärksten bei uns hängen geblieben ist, begann erst danach: ein Rundgang durch die Werkstatt, das (Holz-)Lager, den Showroom. Dabei wurde uns schnell klar, dass es hier nicht nur um Gitarren geht, sondern auch um Fragen, die im Instrumentenbau gerade immer wichtiger werden.
Bevor wir einen Einblick in den Feinschliff von der Anpassung der Saitenlage bis zur Politur bekamen, landeten wir erst mal bei einem Thema, das bei Duke momentan viel bewegt: thermische Modifikation von Tonhölzern. Dahinter steckt ein langfristiges Ziel. Weg von exotischen Importen und hin zu heimischen Hölzern, die klanglich und in der Verarbeitung so verlässlich sind, dass sie im Gitarrenbau in der Praxis vor allem im Vergleich zu den gängigen Tropenhölzern bestehen können. Solche modifizierten heimischen Hölzer werden teilweise schon verbaut, während gleichzeitig weiter dazu geforscht wird, wissenschaftlich begleitet unter anderem durch die Hochschule Eberswalde. Und es bleibt eben nicht nur bei Theorie: Firmeninhaber Gunther Reinhardt ist dafür regelmäßig draußen unterwegs, geht in die Wälder, ersteigert und kauft Holz, sucht passende Stücke, lagert und sortiert, beschäftigt sich selbst seit Jahrzehnten mit der thermischen Behandlung ebendieser Hölzer, bis daraus Material wird, mit dem man arbeiten kann.

…und hier beim Rundgang durch das Holzlager.
Der Werkstattalltag bei Duke, den wir gesehen haben, ist davon noch unabhängig. Ein großer Teil der Instrumente wird nach detaillierter Vorgabe und regelmäßiger Optimierung in China gefertigt. Der Punkt, an dem die Werkstatt in Tübingen hier ansetzt, ist die Finalisierung. Genau das hat uns Gitarrenbauer Tico gezeigt, Schritt für Schritt und sehr unaufgeregt sympathisch. Morgens wird erstmal das Fenster geöffnet, der Tag geplant, Aufträge sortiert, die Maschinenzeit im Team verteilt. Dann geht Instrument für Instrument durch die Hände zweier Gitarrenbauer. Bünde abrichten, Ober- und Untersattel nachfeilen, kleine Lackstellen – winzige Macken, die beim Transport entstehen können – ausbessern. Danach Politur, zum Schluss eine hauchdünne Schutzschicht, neue Saiten. Saubere Bespielbarkeit, sauberes Bild.
Der Anspruch dahinter ist simpel, aber nicht banal. Eine Duke soll sich im Laden gut und verlässlich anfühlen, ohne dass man erst mit Werkzeug nacharbeiten muss. Es geht um Wiederholbarkeit im Spielgefühl und um Kontrolle über den letzten Meter. Man sieht dabei auch, wie viel Zeit in Arbeitsschritte und Handgriffe fließt, die man später kaum benennen kann. Die aber sofort spürbar sind, wenn man die Gitarre in die Hand nimmt. Diese Werkstatt hat nicht den Anspruch, aus jeder Gitarre ein Einzelstück zu machen: Hier wird versucht, jede Gitarre so fertig zu machen, dass sie ihren Job von der ersten Minute an verlässlich erledigt. Da wir ebenfalls die Freude hatten, zwei Duke Gitarren für die Video-Session zu spielen, können wir sagen, dass Gitarren zu diesem Preis in dieser Qualität, Bespielbarkeit und Klangentfaltung sicher schwer zu finden sein werden. Das macht sie auf jeden Fall interessant für ambitionierte Gitarrist*innen.
Hier der Link zu den zwei Modellen, die wir im Video spielen:
DUKE – Meister ST
DUKE – Meister C
ALBUM DER WOCHE
mit Raphaël Feuillâtre

These: Legatospiel ist die Königin aller Disziplinen. Natürlich instrumentübergreifend. Aber gerade das Spiel der Gitarre erfordert viel davon, soll eine Interpretation nach mehr klingen als “nur” nach Gitarre. Es entwickelt ein Wohlgefühl beim Zuhören und wirkt für Phrasen wie ein Kleber, der den Klang verdichtet und dadurch einen Sog nach vorne entstehen lässt.
Warum beschreiben wir das? Weil es für uns beim Durchhören des heutigen Albums der Ausgabe extrem herausstand.
Raphaël Feuillâtre beherrscht die angesprochene Kunst bis ins kleinste Detail. Stimmtrennung aus dem oberen Regal, verbunden durch – genau: legato. Er lässt anspruchsvolle Passagen mit mehreren unabhängig voneinander laufenden Stimmen völlig im Dienste der Musik erklingen, ohne dass man annähernd einen gedanklichen Einwand formulieren könnte, dass es nach „schwer“ klingt.
Visages Baroques heißt das Album, um das es geht. Neben der Tatsache, dass sich die Komponisten die Epoche teilen, zieht sich ein weiterer gemeinsamer Strang durch die Platte: alles Originalwerke für Klavier oder Cembalo. Bach, Rameau, Duphly, Forqueray …
Das selbst arrangierte “L’aimable” (Pièces de clavecin, No. 6) von Pancrace Royer und “L‘entretien des muses” (RCT 3/6) von Jean-Philippe Rameau (Arr. Gizard) haben uns besonders in die Klangwelt und das Interpretationsgeschick von Raphaël gezogen. Aber – um ehrlich zu sein – die ganze Platte ist eine Wohltat für Ohren und Seele.
Zurücklehnen, genießen und wirken lassen!
MORGEN-ROUTINE
Auf einen Kaffee mit Leon Albert

Hi Leon, was ist die Routine für diese Woche?
Stimmungsschwankungen aushalten.
INTERVIEW
“Wenn du einen Satz auf ein Plakat drucken lassen könntest, das in riesiger Auflage bei allen (klassischen) Musik-Festivals der Welt hängen würde. Welcher wäre das?”
Die Frage 5 …

mit Stephan Kane
“Übung bringt Fortschritte und Fortschritte bringen mich zum Üben.” (Ausgabe 31)
mit Heiner Donath
“Musik ist mehr als eine Ansammlung richtig gespielter Töne." (Ausgabe 32)
mit Flavio Nati
“Das ist unsere Antwort auf Gewalt: Wir werden noch intensiver, noch schöner, noch hingebungsvoller musizieren als zuvor.” – Leonard Bernstein (Ausgabe 34)
mit Johannes Frank
“Lasst euch auf die Kunst ein – sie schürt Freude.” (Ausgabe 36)
mit Mercè Font
“Sei geduldig mit der Zeit, aber anspruchsvoll mit deinen Intentionen.” (Ausgabe 39)
FEEL-GOOD-MELODIE DER WOCHE
mit MGT
Ob zwischen Probe und Unterrichten, nach dem Üben, vor dem Konzert oder einfach zwischendurch: Kopfhörer auf, kurz raus aus dem Rauschen, gut fühlen.
Unsere Feel-good-Melodie der Woche!
OUTRO
Vielen Dank fürs Lesen! Anregungen und Anmerkungen gerne direkt als Antwort auf diese Ausgabe. In der nächsten Ausgabe – so viel sei verraten – wird es ein Interview mit Thomas Fellow geben.
Neue Musikentdeckungen – auch von Artists, über die wir in der heutigen Ausgabe geschrieben haben – wie immer in unserer Spotify-Playlist zum Newsletter, die wir weiter unten verlinkt haben.
Seid gut zueinander.
Wir hören und lesen uns!
Stefan & Willi
supported by
New Classical Guitar ist ein Newsletter von Willi Leinen und Stefan Degel von TMBM. Unsere Musik und weitere Infos zu unserem Werdegang findet ihr unter t-m-b-m.com
Auf Spotify kuratieren wir eine Playlist mit unseren Lieblingsstücken. Ihr könnt unserer New Classical Guitar Playlist unter https://open.spotify.com/playlist/3ZwxJRAsW9Zs2JiS2eLy6a?si=9b2a737f01c043a4 folgen und uns gern neue Empfehlungen schicken.

