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Ausgabe 43
In dieser Ausgabe: Peter Graneis im Youtube-Fund der Woche, Album der Woche von Karen LeFrak feat. Sharon Isbin, Noten für die Morgenroutine mit Leon Albert, Interview mit Eva Beneke und die Feel-good-Melodie der Woche mit Silk Sonic
Hey!
Während hier in Berlin der Frühling das Zepter übernimmt, erweist sich die Gitarren-Community weiterhin als nicht enden wollende Fundgrube. Es war uns auch in den zurückliegenden Tagen wieder ein großer Genuss, Musik von tollen KünstlerInnen zu entdecken, während wir selbst viel Zeit im Studio verbracht und neue Kompositionen zum Leben erweckt haben.
Frühling eben und was würde da besser passen als impressionistische Klänge von Debussy oder Sharon Isbins Album mit Orchesterstücken der New Yorker Komponistin Karen LeFrak? Leon nimmt die Dinge diesmal ganz genau unter die Lupe und wir die neue Schott-Ausgabe mit Musik von Komponistinnen über die Jahrhunderte. Deren kürzliches Erscheinen haben wir zum Anlass genommen, ein Interview mit Herausgeberin Eva Beneke zu führen. Und wenn bei euch auch gerade Frühling ist, bleibt uns nur noch zu sagen: Öffnet ab und an mal die Fenster und lasst die Türen offen für Neues – wie in unserer Feel-good-Melodie der Woche.
Viel Spaß beim Lesen!
Stefan und Willi
YOUTUBE-FUND DER WOCHE
mit Peter Graneis
Die Freude, Peter in einer der früheren Ausgaben zum Thema Virtuosität zu befragen, kam nicht von ungefähr. Und umso mehr freuen wir uns heute, ein Video von ihm mit euch zu teilen, in dem dieses Konzept im klassischen Verständnis so gar keine Rolle spielt. Seine Interpretation von Debussys Clair de Lune ist musikalische Klangvirtuosität pur.
Dieser Mann kann nicht nur mit schnellen Läufen beeindrucken, sondern seine ZuhörerInnen auch maximal verzaubern, in den Bann ziehen, verführen.
Einfach richtig schön!
ALBUM DER WOCHE
mit Karen LeFrak feat. Sharon Isbin

Wenn man an Kompositionen für Gitarre und Orchester denkt, ploppen in unserem auf Gitarrenmusik konditionierten Gedächtnis automatisch Concierto de Aranjuez, Rodrigo, vielleicht noch Brouwer und Tedesco auf. Wir wollen dieser Liste heute einen neuen Namen hinzufügen: die New Yorker Komponistin Karen LeFrak. Ihr Miami Concerto for Guitar & Orchestra (2025) erfreut unsere Ohren mit lateinamerikanischen Rhythmen und Texturen, gehüllt in einen warmen, lebendigen Sound, geschmackvoll orchestriert. Nicht außergewöhnlich virtuos, dafür umso angenehmer, sich in die Klangwelt einzuhören.
Auf der vorliegenden Ersteinspielung ist Sharon Isbin, eine DER US-amerikanischen Gitarristinnen zu hören (2 Grammys, Gründerin der Gitarrenklasse an der Juilliard School).
Die beiden Frauen haben da ein besonderes Album gezaubert. Hört rein und überlegt dabei schon mal, mit welchem Orchester ihr das Konzert aufführen würdet.
MORGEN-ROUTINE
Auf einen Kaffee mit Leon Albert

Hi Leon, was ist die Routine für diese Woche?
Dinge auch mal aus nächster Nähe unter die Lupe nehmen. Oder mit einem Fernglas.
INTERVIEW
“Was ich mir erhoffe? Mehr großartige Musik!”
Eva Beneke über ihre Rolle als Herausgeberin der Reihe Women Composers (Gitarre) von Schott

©Stefan Maria Rother
mit Eva Beneke
Komponistinnen in der Gitarrenwelt sind ein Thema, auf das wir immer wieder zurückkommen, weil es wichtig ist und weil es bei der täglichen Repertoireauswahl immer noch alles andere als „normal“ erscheint. Als Schott daher die Reihe Women Composers ins Leben rief, weckte dies sofort unser Interesse, da sie tatsächlich dazu beitragen kann, das Repertoire zu verändern, das im Unterricht, in Prüfungen, auf Festivals und bei Wettbewerben auf den Notenständern landet.
Eva Beneke wurde schon früh durch Heike Matthiesen in das Projekt eingebunden und übernahm schließlich als Herausgeberin ganz die Verantwortung dafür. Wir wollten wissen, wie die Reihe entstanden ist, was sie bei der Durcharbeitung der Quellen am meisten überrascht hat, wie der erste Band bisher aufgenommen wird und welche mittel- bis langfristigen Auswirkungen sie sich für das reale Gitarrenleben erhofft.
Hi Eva, wie ist die Idee zu dieser Schott-Reihe entstanden?
Von den Arbeiten an diesem Verlagsprojekt hatte ich von Heike Matthiesen erfahren. Sie hatte mich gebeten, als Arrangeurin einen Beitrag zu leisten, und das habe ich natürlich sehr gerne getan. Wir hatten in der Anfangsphase einige Gespräche über das Projekt geführt – sie hatte bereits so viele Stücke gefunden, insbesondere durch ihre Arbeit im Frankfurter „Archiv Frau und Musik“. Als Heike starb, war das natürlich ein Schock und sehr traurig. Sie war schon lange krank gewesen. Einige Zeit später, im Frühjahr 2023, wandten sie sich an mich, um mich als Herausgeberin zu gewinnen. Und ich sagte: Ja, natürlich! Da begann meine Arbeit – wir mussten alle Quellen und das gesamte Material, das Heike bereits gesammelt hatte, sichten, ergänzen und recherchieren. Ein echtes Puzzle!
Was war für dich die spannendste Entdeckung bei der Recherche zu den Komponistinnen?
Eine echte Entdeckung waren für mich die vielen, vielen wunderschönen Werke, die fantastischen Komponistinnen und ihre persönlichen Geschichten. Zu jedem Stück gibt es eine kurze Biografie der Komponistin und Spielhinweise. Als Herausgeberin halte ich es für wichtig, Musik aus vielen verschiedenen Epochen aufzunehmen, von der Frührenaissance bis hin zu sehr zeitgenössischer Musik. Zum Beispiel Elisabeth Jacquet de la Guerre, eine meiner großen Heldinnen. Die beiden Suitenbände, die sie schrieb, während sie Cembalistin am Hofe Ludwigs XIV. war, die Pièces de Clavecin, sind wahre Juwelen. Ich meine, was für eine privilegierte Stellung sie da hatte! Das war etwa zur gleichen Zeit wie Robert de Visée – wahrscheinlich sind sie sich begegnet. Ich habe einige der Cembalowerke arrangiert und dabei auch gedacht: Wäre es nicht schön, wenn wir das zum Beispiel genauso viel wie Rameau oder Couperin spielen würden?
Wie war das Feedback bisher, und wer greift die Bände gerade am stärksten auf?
Als Autorin bekomme ich das nur bedingt mit. Schott verlegt die Reihe Women Composers weltweit auf Englisch und auch auf Deutsch. Es gibt eine Klavierausgabe, und zeitgleich mit der Gitarrenausgabe erschien auch der 1. Band für das Cello!
Ich weiß von einigen Büchern, die bereits unter Musikschulkolleginnen in Berlin zirkulieren. Auch in Norwegen, wo ich ja regelmäßig bin und an der Norwegischen Musikakademie lehre, habe ich das Buch gerade auf einem Festival vorgestellt, und es gab sehr großes Interesse auf Social Media, sowie in Japan und den USA. Natürlich hoffen wir, dass Band 1 generell als Spielheft zum Unterrichten in der Unter- und Mittelstufe verstanden und genutzt werden wird.
Was erhoffst du dir mittelfristig von der Reihe ganz konkret im Gitarrenalltag?
Mit seinen 48 Seiten ist Band 1 eine Bereicherung für den Unterricht und das Repertoire aller GitarristInnen und LehrerInnen. Eine Gitarrenlehrerin in Berlin könnte etwa allen SchülerInnen ein Stück daraus für die nächste Runde von „Jugend musiziert“ geben, was den Kanon sofort vielfältiger machen würde. Was ich mir erhoffe? Mehr großartige Musik! Im Idealfall wird dies Einfluss auf den Unterricht, Prüfungen, SchülerInnen-Konzerte und Wettbewerbsprogramme nehmen – ich wünsche mir wirklich einen Dominoeffekt! Wenn wir darüber sprechen, warum wir eine solche Anthologie veröffentlichen, ist es vor allem wichtig, dass auf dem Cover und im Inhaltsverzeichnis Namen von Frauen stehen: Vorbilder. Ein weiterer wichtiger Aspekt dabei ist – ohne zu viel zu verraten –, dass es, wenn wir darüber sprechen, was in die fortgeschritteneren Bände 2 und 3 aufgenommen wird, nicht nur um weiße europäische Frauen gehen kann.
Wenn du einen Satz auf ein Plakat drucken lassen könntest, das in riesiger Auflage bei allen (klassischen) Musik-Festivals der Welt hängen würde. Welcher wäre das?
Habt den Mut zu einem abwechslungsreichen Repertoire!
FEEL-GOOD-MELODIE DER WOCHE
mit Silk Sonic
Ob zwischen Probe und Unterrichten, nach dem Üben, vor dem Konzert oder einfach zwischendurch: Kopfhörer auf, kurz raus aus dem Rauschen, gut fühlen.
Unsere Feel-good-Melodie der Woche!
OUTRO
Vielen Dank fürs Lesen! Anregungen und Anmerkungen gerne direkt als Antwort auf diese Ausgabe. Neue Musikentdeckungen – auch von Artists, über die wir in der heutigen Ausgabe geschrieben haben – wie immer in unserer Spotify-Playlist zum Newsletter, die wir weiter unten verlinkt haben.
Seid gut zueinander.
Wir hören und lesen uns!
Stefan & Willi
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New Classical Guitar ist ein Newsletter von Willi Leinen und Stefan Degel von TMBM. Unsere Musik und weitere Infos zu unserem Werdegang findet ihr unter t-m-b-m.com
Auf Spotify kuratieren wir eine Playlist mit unseren Lieblingsstücken. Ihr könnt unserer New Classical Guitar Playlist unter https://open.spotify.com/playlist/3ZwxJRAsW9Zs2JiS2eLy6a?si=9b2a737f01c043a4 folgen und uns gern neue Empfehlungen schicken.

