Ausgabe 45

In dieser Ausgabe: Jerzy Chwastyk im Youtube-Fund der Woche, Album der Woche von Gaëlle Solal, Noten für die Morgenroutine mit Leon Albert, Interview mit Jesse Flowers und die Feel-good-Melodie der Woche mit Jamie Lidell

Hey!

Tägliche Routinen und Motivation durch besondere Momente. Was hält den Motor am Laufen, das Rad in Bewegung? Auf jeden Fall ist Dankbarkeit für die Musik ein lohnenswertes Credo. Das findet auch Jesse Flowers in unserer Fragenkategorie.

Wir sollten langsam mal die Antworten unserer Interviewpartner*innen auf die Plakatfrage in den Druck geben, um sie wirklich auf allen Musikfestivals auszuhängen. Die sind nämlich, finden wir, ziemlich inspirierend. Wenn da jemand von euch an einer Kooperation interessiert ist, sagt gern Bescheid. In der Zwischenzeit sammeln wir einfach weiter und freuen uns, dass auch Jesse wieder eine wunderbare Antwort geliefert hat.

Besondere Momente hat auch der zweite Satz der Ginastera-Sonate im Video der Woche, das Album von Gaëlle Solal ist voll davon und auch Leon liefert heute wieder eine Momentaufnahme in Form einer Miniatur (trotz aller Routine) in euren Briefkasten.

Wir wünschen euch inspirierende Tage, gesunde Routinen und viel Spaß beim Lesen der vorliegenden Ausgabe.

Herzlichst
Stefan und Willi

YOUTUBE-FUND DER WOCHE
mit Jerzy Chwastyk

Wenn Piazzolla die Stadt ist, dann ist Ginastera eher die Weite. Dieser Gedanke, auf den Jerzy Chwastyk in der Videobeschreibung hinweist, hilft beim Hören des zweiten Satzes der Ginastera-Sonate durchaus: Buenos-Aires-Puls versus offene Flächen, Wind, Kante. Man hört vor allem Gegensätze: eben noch flüsternd leise, dann plötzlich mit brachialer Wucht. Die Gitarre wird nicht romantisch ausgekostet, sondern körperlich gedacht: Attacke, Rhythmus, perkussive Energie. Jerzy führt erfrischend, anpackend und feinfühlig durch den Satz und macht große Lust auf das Instrument Gitarre. Hört’s euch an: große Empfehlung.

ALBUM DER WOCHE
mit Gaëlle Solal

Rio de Janeiro: mehr Lebensgefühl als Stadt. Wie könnte man dieses Lebensgefühl aus der Ferne besser erlebbar machen als durch Musik?

Gaëlle Solal – wir sind ohnehin schon länger Fans von dieser herausragenden Gitarristin – gibt uns eine Stadtführung mit Kompositionen aus dem 19.–21. Jahrhundert von Chiquinha Gonzaga, Villa-Lobos und Ernesto Nazareth, einige extra für Gitarre und Orchester arrangiert, und einer Ersteinspielung von Clarice Assad’s Concerto O Saci-Pererê – einem Konzert, das mit seinem weiten Klang- und Farbspektrum nur so vor Kreativität und musikalischer Hingabe sprudelt. Saci-pererê, ein koboldähnliches Wesen aus der brasilianischen Mythologie, hat uns ab Takt 1 in die Zwischenwelt entführt!

Unbedingt anhören!

MORGEN-ROUTINE
Auf einen Kaffee mit Leon Albert

Hi Leon, was ist die Routine für diese Woche?

Rock’n’Roll-Lifestyle.

INTERVIEW

4 Fragen, 4 Antworten, 4 Gesichtsausdrücke mit: Jesse Flowers

Der australische Gitarrist Jesse Flowers ist seit 2020 Professor für Gitarre an der Akademie für Tonkunst Darmstadt. Er kommt aus einer sehr klassischen Schule, aber sein Blick geht gern über das übliche Repertoire-Regal hinaus: historische Klangideale, alte Aufnahmen, Ästhetikfragen und diese Lust, sich bewusst in andere Zeiten und Hörweisen reinzudenken.
In unserer Rubrik “4 Fragen, 4 Antworten, 4 Gesichtsausdrücke setzt Jesse die Reihe fort und hat zu jeder Antwort gleich die passende Mimik und Geste mitgeschickt.

Was steht deinem Üben gerade am häufigsten im Weg?
Ich bin erst vor relativ kurzer Zeit von der Fußbank auf den Guitarlift umgestiegen. Ich musste viel experimentieren und ausprobieren, und obwohl diese Dinge Zeit brauchen, fühle ich mich langsam sehr wohl damit.

Was hat dich zuletzt motiviert?
Etwas, das mich schon seit einiger Zeit interessiert, ist das Imitieren von historischen Aufnahmen (aus der Zeit zwischen ca. 1900 und 1950), um die Ästhetik der Zeit besser zu verstehen, und ich habe versucht, dies mit Luise Walkers Aufnahme von Chopins Nocturne in Es-Dur zu tun (jeder sollte sich diese Aufnahme anhören!).

Welchen Tipp würdest du dir aus heutiger Sicht als jungem Gitarristen geben?
Ich hätte meinem Ich im zweiten Bachelor-Studienjahr gesagt, geh mal nach draußen und  denk dran, dass es im Leben mehr gibt, als die Tonleitern in Villa Lobos’ Etüde Nr. 7 mit 150 bpm zu spielen, lol.

Wenn du einen Satz auf ein Plakat drucken lassen könntest, das in riesiger Auflage bei allen (klassischen) Musik-Festivals der Welt hängen würde – welcher wäre das?
Das ist zu viel Druck! Aber wenn ich dazu gezwungen wäre, würde darauf stehen: „Sei dankbar für die Musik.“

FEEL-GOOD-MELODIE DER WOCHE
mit Jamie Lidell

Ob zwischen Probe und Unterrichten, nach dem Üben, vor dem Konzert oder einfach zwischendurch: Kopfhörer auf, kurz raus aus dem Rauschen, gut fühlen.

Unsere Feel-good-Melodie der Woche!

OUTRO

Vielen Dank fürs Lesen! Anregungen und Anmerkungen gerne direkt als Antwort auf diese Ausgabe. Neue Musikentdeckungen – auch von Artists, über die wir in der heutigen Ausgabe geschrieben haben – wie immer in unserer Spotify-Playlist zum Newsletter, die wir weiter unten verlinkt haben.

Seid gut zueinander.

Wir hören und lesen uns!

Stefan & Willi

supported by

New Classical Guitar ist ein Newsletter von Willi Leinen und Stefan Degel von TMBM. Unsere Musik und weitere Infos zu unserem Werdegang findet ihr unter t-m-b-m.com

Auf Spotify kuratieren wir eine Playlist mit unseren Lieblingsstücken. Ihr könnt unserer New Classical Guitar Playlist unter https://open.spotify.com/playlist/3ZwxJRAsW9Zs2JiS2eLy6a?si=9b2a737f01c043a4 folgen und uns gern neue Empfehlungen schicken.